Vor einigen Jahren hat ein Schlaganfall mein Leben abrupt verändert. Eine schwere rechtsseitige Spastik in Unterarm und Hand brachte Schmerzen, Verkrampfungen und massive Bewegungseinschränkungen. Dinge, die früher selbstverständlich waren, wurden zur täglichen Herausforderung.
Vor rund drei Jahren begann etwas, das ich zunächst nicht als Therapie verstand. Ich erinnerte mich an meine Kindheit im Elternhaus der Jugend in der Lehrwerkstatt an den Geruch von Metall, den Schmelzofen und die Werkzeuge aus Goldschmiede- und Uhrmacherhandwerk. Also holte ich sie hervor: alte Feilen, Handstücke, Stichel. Keine Reha-Geräte, keine Vorgaben nur eine Goldschmiedewerkbank und mein Wille.
Was als Freude am Arbeiten und an der Kreativität begann, wurde schnell Routine. Ich verbrachte täglich Zeit an der Werkbank, arbeitete langsam, konzentriert und ohne Druck. Jede Bewegung hatte einen Sinn, jede feinmotorische Aufgabe forderte genau das, was meiner rechten Hand lange gefehlt hatte.
Nach einigen Monaten zeigte sich der Effekt: mehr Beweglichkeit, weniger Krämpfe, deutlich weniger Spastik. Heute beeinflussen mich Schmerzen und Verkrampfungen kaum noch. Die Kontrolle ist zurück – und mit ihr Lebensfreude.
Es ist eine einfache Win-win-Situation: Weniger Schmerz bedeutet mehr Beweglichkeit. Mehr Beweglichkeit bedeutet mehr Freiheit.
Ich habe keine Patentlösung gefunden. Aber ich habe gelernt, dass Heilung manchmal dort beginnt, wo man wieder als Mensch arbeitet nicht als Patient.
Für mich waren es die Werkbank und die Skulpturen, die ich aus Gussrohlingen zum Spass aus der Freud fertige.